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Vorlage-Sammeldokument

                                    
                                        schriftliche Antwort zur Anfrage Nr. F-00098/14-AW-001
Status: öffentlich

Beratungsfolge:
Gremium

Termin

Ratsversammlung

17.09.2014

Zuständigkeit
mündliche Beantwortung

Eingereicht von
Dezernat Stadtentwicklung und Bau

Betreff
Zukünftige Planungen für den ehemaligen Sowjetischen Pavillon auf dem Gelände
der Alten Messe Leipzig (V/F 1216)

Prüfung der Übereinstimmung mit den strategischen Zielen:

Sachverhalt:

1. Laut Auskunft von Baubürgermeisterin Dorothee Dubrau sollen die Symbole der
ehemaligen UdSSR, Hammer, Sichel und Sowjetstern im früheren Sowjetischen
Pavillon auf dem Gelände der Alten Messe Leipzig als Bestandteil "unserer
Geschichte" erhalten werden. Inwieweit erscheint es vor dem Hintergrund der rund
100 Millionen Opfer des Kommunismus weltweit (Stephan Courtois u. a. : Das
Schwarzbuch des Kommunismus. Unterdrückung, Verbrechen und Terror, München
1998) gerade in Leipzig als Ausgangsort der Friedlichen Revolution von 1989
vertretbar,

die

Zeichen

einer

menschenverachtenden

Diktatur

historisch

zu

konservieren und in welchem Umfang wird die Stadt Leipzig dafür finanzielle Mittel
bereitstellen?
Die 1923/24 erbaute Messehalle 12 diente zunächst als Ausstellungsraum der
Werkzeugmaschinenindustrie

und

ab

1950

rund

40

Jahre

lang

als

nationaler

Ausstellungspavillon der UdSSR. Zu diesem Zweck wurde die Halle mehrfach umgebaut.
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Die Etappen dieses Umbaus sind ihr bis heute anzusehen. Im Inneren haben sich wenige
Reste der früheren Ausstattung, u. a. eine Scheibe aus einer Deckenverglasung mit den
genannten Symbolen erhalten.
Der konservatorische Auftrag der Denkmalpflege erstreckt sich wie der Sammlungsauftrag
der Geschichtsmuseen auf historische Sachzeugen der gesamten Geschichte und nicht
allein auf ihre positiven Leistungen. Die künftige Nutzung des Eingangsbauwerks der Halle
als Stadtarchiv ist besonders geeignet, die verschiedenen Kapitel der Bau- und
Nutzungsgeschichte

der

Halle

zu

veranschaulichen

und

die

Erinnerung

daran

wachzuhalten.
Ob und auf welche Art die Symbole der ehemaligen UdSSR im sowjetischen Pavillon
erhalten werden, ist von den denkmalschutzrechtlichen Vorgaben die zwischen Stadt und
Land abgestimmt werden, abhängig. Diese sind bei den Umbau- und Sanierungsarbeiten in
Zusammenhang mit der vorgesehenen Anmietung durch das Stadtarchiv Leipzig
umzusetzen. Eine dezidierte Mittelbereitstellung der Stadt Leipzig für die Erhaltung der
Symbole ist aufgrund des derzeitigen Bearbeitungsstandes kein Thema, mit dem sich die
Verwaltung bereits beschäftigt hat. Nach derzeitigem Stand sind in der Gesamtmaßnahme
dafür keine Mittel vorgesehen.
2. Im Jahr 2010 wurden Pläne der in Leipzigs Partnerstadt Hannover ansässigen
Stiftung Holocaust-Museum bekannt, wonach im ehemaligen Sowjetischen Pavillon
auf dem Gelände der Alten Messe Leipzig ein deutsches Holocaust-Museum
entstehen soll. Laut Stiftungs-Vorstandsvorsitzenden Hans-Jürgen Häßler sollte ein
"Museum von europäischer Dimension" geschaffen werden (Leipziger Volkszeitung,
15.04.2010, Seite 13). Dafür sollte u. a. die Messehalle 12 angekauft werden.
Unterstützt wurde das Vorhaben auch von den ehemaligen Ministerpräsidenten des
Freistaates Sachsen, Prof. Dr. Kurt Biedenkopf und Prof. Dr. Georg Milbradt. Um
Finanzmittel sollte auch die Bundesregierung gebeten werden. Wegen der
Finanzkrise

sei

das

Projekt

seinerzeit

zurückgestellt

worden,

sollte

aber

weiterverfolgt werden. Wie ist hierbei der aktuelle Sachstand, inwieweit ist die Stadt
Leipzig in das Projekt mit eingebunden, in welchem finanziellen Umfang wird sich
Leipzig zukünftig an der Förderung des Museumsvorhabens beteiligen und inwieweit
steht der Standort Sowjetischer Pavillon noch zur Disposition?
Auf Grund von Problemen mit der Finanzierbarkeit des Vorhabens hat die Stiftung
Holocaust-Museum das Projekt in Leipzig nicht weiterverfolgt. Ob die Stiftung das Projekt
grundsätzlich weiterverfolgt, ist nicht bekannt.
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Der Standort Sowjetischer Pavillon steht dafür nicht mehr zur Disposition, da dort zukünftig
die Unterbringung des Leipziger Stadtarchivs vorgesehen ist. Auf Beschluss des Stadtrates
verhandelt die Stadtverwaltung Leipzig derzeit den Mietvertrag mit der
Eigentümergesellschaft LEVG.

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